Der Start in die Gruppe

Die ersten Termine in einer Gruppe sind oft die schwierigsten. Zu Beginn einer Gruppentherapie ist es völlig normal und typisch Zweifel, Ängste oder Unbehagen zu erleben. Um überhaupt einschätzen zu können ob eine Gruppentherapie für einen Teilnehmer “das richtige ist”, ist es sinnvoll sich über einen Zeitraum von mindestens 10 Terminen auf den Gruppenprozess einzulassen. Auch für die anderen Teilnehmer ist es wichtig, dass neue Teilnehmer nicht nur unverbindlich “reinschnuppern” sondern eine Bereitschaft zeigen, sich auf die Gruppe einzulassen. Daher bitte ich alle Teilnehmer, sich zu Beginn einer Therapie zu verpflichten, an mindestens 10 Terminen teilzunehmen. 

Erfahrungsgemäß können auch nach anfänglichen Schwierigkeiten praktisch alle Teilnehmer nach dieser Zeit den Sinn und Wert der Gruppentherapie für sich erkennen und setzen dann die Therapie fort.

Arbeitsregeln, oder: „was passiert eigentlich in einer Gruppe und wie kann ich sie am besten für mich nutzen?“: 

Die Folgenden Stichpunkte und Erklärungen sollen Ihnen ein paar Ideen vermitteln wie in einer Gruppentherapie gearbeitet werden kann.
Die ersten beiden Punkte "Verschwiegenheitspflicht" und "Regelmäßigkeit der Teilnahme" sind verbindliche Regeln für alle Teilnehmer.
Die anderen Punkte sollte nicht als Verbote oder Gebote betrachtet werden. Sie sollen Ihnen einen groben Leitfaden bieten um in der Gruppe effektiv arbeiten zu können und bestmöglich von der Gruppe zu profitieren.

Verschwiegenheitspflicht: Was in der Gruppe besprochen wird ist streng vertraulich. Teilnehmer verpflichten sich keine Informationen über andere Teilnehmer außerhalb der Gruppe preiszugeben. Dies gilt auch für die Zeit nach Beendigung der Therapie. 

Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit der Teilnahme: Eine wichtige Regel und grundlegende Voraussetzung dafür, dass ein Gruppenprozess in Gang kommen kann, ist das regelmäßige und pünktliche Erscheinen aller Teilnehmer. Sie sind für die Gruppe ein wichtiges und wertvolles Mitglied!
 

Freie Interaktion: Sie sind angehalten in der Gruppe mit anderen Teilnehmer frei zu interagieren und sich frei zu äußern. Eine Struktur oder Reihenfolge oder Themen werden nicht vom Leiter vorgegeben. 
Worüber gesprochen wird entscheiden Sie! 
Durch die Interaktion und die Mitteilungen entsteht ein gruppendynamischer Prozess. Mitteilungen können verschiedene Formen annehmen. Hierzu zählen sowohl sprachliche Mitteilungen als auch der Ausdruck über Gestik, Mimik und Körpersprache.
Teilen Sie bitte der Gruppe mit welche Themen, welche Gefühle und Gedanken Sie bewegen! 

Keine Zensur: Sie dürfen und sollen in der Gruppe alles aussprechen, was Ihnen durch den Kopf geht oder Ihnen auffällt, egal, was es ist. Es gibt keine unsinnigen Beiträge! Die wichtigsten Beiträge sind oft die spontanen oder die, die nicht sofort verständlich sind. Durch dieses freie Sprechen soll der Zugang zu unbewussten oder vorbewussten Inhalten möglich werden. In der Gruppe können wir gemeinsam versuchen das noch nicht verstandene verstehbar machen.

Selbstwahrnehmung schärfen: Achten Sie auf ihr eigenes Erleben, ihre Gedanken, Gefühle, Impulse, auch auf ihre körperlichen Wahrnehmungen. Lassen Sie die Gruppe und die Mitteilungen der anderen Teilnehmer auf sich wirken.

Versuchen sie alles in die Gruppe zu bringen: Sie werden dann am meisten von der Teilnahme an einer Gruppentherapie profitieren, wenn Sie ihre Themen in der Gruppe besprechen. In der Gruppe angerissene Themen außerhalb der Gruppe mit anderen Personen weiter zu besprechen erschwert den Gruppenprozess.

Selbstoffenbarung: Gruppentherapie ist keine „Zwangsbeichte“ und kein „Seelenstriptease“. Im Verlauf werden Sie erleben, dass es auch möglich ist über sehr schwierige und intime Dinge in der Gruppe zu sprechen. Ob, wie und wann Sie diese Möglichkeit für sich nutzen wollen entscheiden Sie. 

Gefühle sind erlaubt: Auch intensive Gefühle und Gefühlsausdrücke wie Weinen sind erlaubt. In einer Therapie haben alle Gefühle Raum, auch „schwierige“ Gefühle wie Angst, Wut, Ärger oder Enttäuschung.
 

Klären vor Erklären: Versuchen Sie erst einmal ihre eigenen Gefühle und ihr eigenes Erleben zu beobachten, wahrzunehmen und mitzuteilen. Gemeinsam kann die Gruppe versuchen zu verstehen, anstatt sofort alles zu erklären und zu deuten.
Dort, wo wir meinen alles schon erklären zu können, bleibt kaum Raum etwas neues zu lernen.
 

Angriff und Verteidigung: Dadurch, dass Teilnehmer versuchen sollen Mittelungen erst einmal auf sich wirken zu lassen und die eigenen Gefühle und Wahrnehmungen zu erforschen, soll es möglich werden Aussagen nicht als Zuschreibungen, Kritik oder Angriff zu erleben, sondern als persönliche Mitteilungen über das eigene Erleben. Versuchen sie daher auch auf eine Verteidigungshaltung zu verzichten. Versuchen Sie Rückmeldungen aus der Gruppe auf sich wirken zu lassen und dem Impuls zu widerstehen sich zu rechtfertigen oder zu verteidigen.