Was ist tiefenpsychologische Gruppentherapie?

Tiefenpsychologische Gruppentherapie ist eine therapeutische Behandlung in der Gruppe. Sie ist bezüglich der Wirksamkeit gleichwertig mit einer Einzelbehandlung. Gruppentherapie ist eine sehr effektive Methode, um Kompetenzen in der sozialen Interaktion zu üben, eigene unbewusste Anteile bewusst zu machen, an „blinden Flecken“ sowie Dissonanzen zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung zu arbeiten. In einer Gruppe können sehr viele Problembereiche bearbeitet werden (z.B. soziale Ängste, Selbstunsicherheit, Selbstwertprobleme, Depressionen, Probleme in sozialen Beziehungen und im Umgang mit sich selbst, Wahrnehmung und Umgang mit eigenen Gefühlen wie Trauer, Angst oder Wut).

Gruppentherapie ist grundsätzlich für diejenigen Patienten geeignet, die auf sich selbst und andere Menschen neugierig sind und interessiert daran sind, sich mit sich selbst im Kontext einer Gruppe auseinanderzusetzen und sich besser kennenzulernen. 

Ablauf

Gruppentherapie im tiefenpsychologischen Setting findet in gemischten Gruppen von 3-9 erwachsenen Teilnehmern statt. „Gemischt“ bedeutet hierbei, dass die Teilnehmer der Gruppe bezüglich der Diagnose, Symptomatik, bezüglich ihrer individuellen Themen aber auch bezüglich Kriterien wie z.B. Alter und Geschlecht gemischt sind. Die Gruppe ist „halboffen“. Dies bedeutet, dass neue Teilnehmer hinzukommen wenn ein Gruppenmitglied die Behandlung beendet und damit ausscheidet. Eine Therapieeinheit dauert 100 Minuten und findet wöchentlich zu einem festen Termin statt. Die Behandlung findet meist im Rahmen einer Langzeittherapie statt (60-80 Termine) und kann als "Kombinationsbehandlung" erfolgen, wo ergänzend zur Gruppe auch Einzelgespräche stattfinden. 

Wirkungsweise von Gruppentherapie/Theorie

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir sind „Gruppenwesen“. Unsere Persönlichkeit, alle unsere Eigenschaften und Fähigkeiten, unsere Stärken und Schwächen, aber auch unsere seelischen Probleme und Störungen entwickeln sich im Kontext unserer zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie entstehen durch unsere Beziehungserfahrungen mit den Eltern, der Familie, Freunden, aber auch durch Erfahrungen in anderen sozialen Kontexten (Schule, Arbeitsplatz, Gesellschaft etc.). Nicht nur entstehen unsere Probleme meistens so, sie zeigen sich auch in unseren Beziehungen. Fast alle Menschen die in der Psychotherapie Hilfe suchen, haben unabhängig von ihrer Diagnose Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen Menschen und Schwierigkeiten befriedigende Beziehungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten. Die Erfahrung zeigt, dass auch in Einzeltherapien Beziehungsprobleme fast immer im Fokus stehen. 

Gruppentherapie bietet einen geschützten Raum um diese Probleme aufzuzeigen und zu bearbeiten. Eine Therapiegruppe ist wie ein „soziales Laboratorium“, in welchem es für die Teilnehmer möglich werden soll auf eine authentische Art und Weise mit einander in Kontakt zu treten und hierbei sich selbst und ihre Beziehung zu anderen zu erforschen. In der Interaktion mit der Gruppe zeigen sich ganz automatisch die eigenen Muster und inneren Konflikte. Durch diese freie Interaktion und gruppendynamische Prozesse ist es möglich unbewusste Anteile bewusst und damit bearbeitbar zu machen. Wenn es gelingt die Beziehung zu anderen Gruppenmitgliedern besser zu verstehen, kann das so gelernte auch auf das Alltagsleben übertragen werden.
In der Gruppe können wir viel lernen über unsere eigenen blinden Flecke. Diskrepanzen zwischen der Selbst- und Fremdwahrnehmung können mit einander in Einklang gebracht werden. Eigene Interaktions- und Kommunikationsmuster können analysiert und verändert werden. Der Kern der Gruppentherapie ist hierbei der Austausch im „Hier und Jetzt“, die persönliche und authentische Mitteilung des eigenen Erlebens und der eigenen Gefühle gegenüber der Gruppe.

Was Teilnehmer nach Abschluß der Therapie berichten, was Ihnen in der Gruppentherapie am meisten geholfen hat (Nach I. D. Yalom, Aussagen aus Fragebogenstudien): 


  • Entdecken und akzeptieren von Teilen meiner Person, die mir früher unbekannt waren oder die ich nicht akzeptiert habe.
  • Sagen können was mich quält, statt es für mich zu behalten.
  • Dass andere Gruppenmitglieder mir ehrlich sagen, was sie über mich denken.
  • Lernen, meine Gefühle auszudrücken.
  • Dass die Gruppe mich darüber aufgeklärt hat, wie ich auf andere wirke.
  • Gegenüber einem anderen Gruppenmitglied negative oder positive Gefühle ausdrücken.
  • Mir darüber klar werden, dass ich letztlich selbst dafür verantwortlich bin, wie ich lebe, auch wenn ich von anderen noch viel Rat und Unterstützung erhalten kann.
  • Herausfinden wie ich auf andere wirke.
  • Zu sehen, dass auch andere Peinlichkeiten, die sie betrafen, zugaben und Risiken anderer Art. eingehen konnten und dass ihnen dies zugute kam, half mir mich ebenso zu verhalten.
  • Gegenüber Gruppen und einzelnen anderen Menschen mehr Vertrauen zu entwickeln.