Was ist Ketamin?
Ketamin ist ein seit vielen Jahrzehnten in der Medizin eingesetztes Arzneimittel. Es wurde 1962 von dem Chemiker Calvin L. Stevens bei Parke-Davis synthetisiert und 1970 in den USA als Narkosemittel zugelassen. Seitdem wird Ketamin weltweit in der Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie eingesetzt. Es handelt sich damit nicht um eine neue oder experimentelle Substanz, sondern um ein gut erprobtes Arzneimittel mit langjähriger medizinischer Anwendungserfahrung.
Seit etwa dem Jahr 2000 wird Ketamin zudem intensiv auf seine antidepressive Wirkung untersucht. Damals erschienen erste kontrollierte klinische Studien, die Hinweise auf eine teilweise rasch einsetzende antidepressive Wirkung bei Depressionen zeigten. Das wissenschaftliche Interesse an Ketamin entstand auch vor dem Hintergrund, dass ein relevanter Teil depressiver Patienten auf klassische antidepressive Behandlungen nicht ausreichend anspricht und weiterhin ein Bedarf an neuen Behandlungsoptionen besteht.
Heute wird Ketamin in niedriger Dosierung auch in der Behandlung depressiver Erkrankungen eingesetzt, insbesondere bei schweren, chronischen oder therapieresistenten Depressionen. Die wissenschaftliche Studienlage ist für depressive Erkrankungen, insbesondere für therapieresistente Depressionen, am besten untersucht.
Für weitere psychische Beschwerden und Erkrankungen – etwa Zwangsstörungen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Suchterkrankungen – wird die Anwendung von Ketamin ebenfalls wissenschaftlich untersucht. Die Datenlage ist hierbei weniger umfangreich als bei Depressionen und unterscheidet sich je nach Erkrankung. Gleichzeitig gibt es für einzelne dieser Störungsbilder vielversprechende wissenschaftliche Hinweise, sodass Ketamin auch über depressive Erkrankungen hinaus ein interessantes Forschungs- und Behandlungsfeld darstellt.
In meiner Praxis erfolgt die Behandlung als Ketamin-Infusionsbehandlung. Ob eine solche Behandlung in Ihrem individuellen Fall sinnvoll und medizinisch geeignet ist, wird in einem ausführlichen Vorgespräch geklärt.
Was ist der Wirkmechanismus von Ketamin?
Der genaue antidepressive Wirkmechanismus von Ketamin ist noch nicht vollständig geklärt.
Ketamin wirkt anders als klassische Antidepressiva. Während viele Antidepressiva vor allem über Botenstoffsysteme wie Serotonin oder Noradrenalin wirken, beeinflusst Ketamin insbesondere das glutamaterge System und den sogenannten NMDA-Rezeptor.
Vereinfacht gesagt scheint Ketamin dadurch Prozesse anzustoßen, die mit Neuroplastizität zusammenhängen. Damit ist die Fähigkeit des Gehirns gemeint, Verbindungen zwischen Nervenzellen zu verändern, zu stärken oder neu zu bilden. Gerade bei Depressionen können Denk-, Gefühls- und Erlebensmuster oft wie festgefahren wirken. Ketamin kann möglicherweise dazu beitragen, solche festgefahrenen Muster wieder beweglicher zu machen und Veränderungsprozesse besser zu ermöglichen.
Die antidepressive Wirkung kann bei manchen Patienten bereits innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen einsetzen. Häufig wird der stärkste Effekt etwa am Tag nach der Infusion beschrieben. Die Wirkung einer einzelnen Infusion hält jedoch oft nur begrenzte Zeit an. Deshalb erfolgt die Behandlung in der Regel nicht als einmalige Infusion, sondern als Serie mehrerer Infusionen, um den erreichten Effekt zu stabilisieren, zu vertiefen und möglichst länger aufrechtzuerhalten.
Für wen kommt eine Behandlung in Frage?
Eine Ketaminbehandlung kann insbesondere bei depressiven Erkrankungen in Frage kommen. Am besten untersucht ist die Anwendung bei schweren, chronischen oder sogenannten therapieresistenten Depressionen – also bei Depressionen, bei denen bisherige Behandlungen, zum Beispiel mit Antidepressiva oder Psychotherapie, nicht ausreichend geholfen haben.
Studien zeigen, dass Ketamin bei depressiven Symptomen häufig deutlich schneller wirken kann als viele klassische Antidepressiva. Für manche Patienten ist gerade dieser mögliche rasche Wirkungseintritt ein wichtiger Unterschied zu bisherigen Behandlungsversuchen.
Eine Ketaminbehandlung kann daher insbesondere bei folgenden Beschwerden oder Erkrankungen erwogen werden:
- schwere Depressionen
- chronische Depressionen
- therapieresistente Depressionen
- wiederkehrende depressive Episoden
- Depressionen, bei denen Antidepressiva bisher nicht ausreichend geholfen haben
- Depressionen mit ausgeprägter Antriebslosigkeit, Erschöpfung oder innerer Leere
- Depressionen mit starkem Grübeln, Gedankenkreisen oder emotionaler Abstumpfung
Darüber hinaus wird Ketamin auch im Zusammenhang mit weiteren psychischen Erkrankungen wissenschaftlich untersucht. Für einige dieser Bereiche liegen positive Studienergebnisse und klinische Erfahrungen vor, die Datenlage ist jedoch weniger umfangreich und weniger eindeutig als bei depressiven Erkrankungen.
Hierzu gehören unter anderem:
- Zwangsgedanken und Zwangsstörungen
- Angststörungen und soziale Ängste
- posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Traumafolgestörungen
- Suchterkrankungen, insbesondere Alkoholabhängigkeit
- ausgeprägte innere Anspannung, Grübeln oder emotionale Blockaden im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen
Bei chronischen Schmerzen, neuropathischen Schmerzen oder psychosomatischen Beschwerden wird Ketamin ebenfalls in verschiedenen medizinischen Zusammenhängen diskutiert und untersucht. Die wissenschaftliche Datenlage ist hierbei jedoch uneinheitlich. In meiner Praxis steht die psychiatrisch-psychotherapeutische Indikationsstellung im Vordergrund.
Ob eine Ketaminbehandlung in Ihrem individuellen Fall sinnvoll und medizinisch geeignet sein kann, lässt sich nicht allein anhand einer Diagnose oder einzelner Symptome entscheiden. Entscheidend sind unter anderem Ihre aktuelle Symptomatik, bisherige Behandlungsversuche, körperliche Voraussetzungen, mögliche Risiken sowie Ihre persönliche Lebenssituation.
Dies wird im Rahmen eines ausführlichen fachärztlichen Gesprächs gemeinsam geprüft.
Wie ist der Ablauf einer einzelnen Infusion?
Ketamin wird in meiner Praxis als intravenöse Infusion verabreicht. Hierfür wird zunächst ein venöser Zugang gelegt. Über die Infusion kann das Medikament kontrolliert und präzise dosiert gegeben werden.
Eine Infusion dauert in der Regel etwa 30–40 Minuten. Während der Behandlung liegen oder sitzen Sie bequem und werden medizinisch überwacht. Die erste Infusion erfolgt besonders eng begleitet, um Ihre individuelle Verträglichkeit gut einschätzen zu können.
Während der Infusion können vorübergehend veränderte Wahrnehmungen, innere Bilder, ein Gefühl von Distanz zum eigenen Erleben oder ein verändertes Zeit- und Körpergefühl auftreten. Diese Wirkungen sind im Rahmen der Behandlung erwartbar und klingen nach Ende der Infusion in der Regel sehr schnell ab.
Wenn die Behandlung gut vertragen wird, kann es ab der zweiten Infusion auf Wunsch möglich sein, während der Infusion Musik zu hören. Viele Patienten bringen hierfür eigene Musik mit, die sie als beruhigend oder unterstützend erleben. Dies kann helfen, sich während der Infusion besser zu entspannen und innerlich auf die Behandlung einzulassen. Die meisten Patienten empfinden dies als angenehm.
Nach der Infusion bleiben Sie noch mindestens 30 Minuten zur Nachbeobachtung in der Praxis. Die meisten Patienten können die Praxis etwa 30–45 Minuten nach Ende der Infusion wieder verlassen. Eine Begleitperson wird mindestens beim ersten Termin empfohlen.
Wichtig: Es handelt sich nicht um eine Narkose. Sie bleiben während der Infusion wach und ansprechbar!
Da Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit nach der Behandlung vorübergehend beeinträchtigt sein können, dürfen Sie am Behandlungstag nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen.
Wie viele Infusionen brauche ich?
Wie ist der Ablauf einer ganzen Behandlung?
Vor Beginn einer Ketaminbehandlung findet ein ausführliches fachärztliches Vorgespräch statt. Dabei werden Ihre aktuelle Symptomatik, Ihre Vorgeschichte, bisherige Behandlungsversuche, mögliche Begleiterkrankungen sowie körperliche Voraussetzungen und Risiken besprochen. Ziel ist es, gemeinsam zu prüfen, ob eine Ketaminbehandlung in Ihrem individuellen Fall sinnvoll und medizinisch geeignet sein kann.
Die Anzahl der Infusionen hängt davon ab, wie gut Sie die Behandlung vertragen und wie Sie darauf ansprechen. In meiner Praxis erfolgt die Behandlung schrittweise, sodass Verträglichkeit und Wirkung regelmäßig gemeinsam beurteilt werden können.
Erste Infusion
Die erste Infusion dient vor allem dazu, Ihre individuelle Verträglichkeit einzuschätzen. Viele Patienten vertragen Ketamin gut. Mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, veränderte Wahrnehmungen oder ein Gefühl von innerer Distanz sind in der Regel vorübergehend und klingen nach Ende der Infusion meist wieder deutlich ab.
Manche Patienten bemerken bereits nach der ersten Infusion eine Veränderung. Bei anderen entwickelt sich eine spürbare Wirkung erst im Verlauf mehrerer Infusionen. Eine ausbleibende Wirkung nach der ersten Behandlung bedeutet daher nicht automatisch, dass Ketamin für Sie nicht hilfreich sein kann.
Erste Behandlungsphase
Zu Beginn wird eine Serie von etwa 6 Infusionen durchgeführt. In dieser Phase zeigt sich häufig, ob eine Behandlung mit Ketamin grundsätzlich hilfreich sein kann.
Wenn nach etwa 6 Infusionen keine ausreichende positive Veränderung eingetreten ist, wird die Behandlung in der Regel beendet. Wenn eine teilweise oder deutliche Besserung eintritt, kann individuell besprochen werden, ob eine Fortsetzung sinnvoll ist.
Fortsetzung bei gutem Ansprechen
Bei gutem Ansprechen kann die Behandlung auf insgesamt bis zu 12 Infusionen fortgeführt werden. Ziel ist es, den erreichten Effekt weiter zu stabilisieren und therapeutisch zu nutzen.
Die genaue Anzahl der Infusionen richtet sich nach Ihrem individuellen Verlauf, der Verträglichkeit und dem therapeutischen Nutzen.
Behandlungsrhythmus
Ketamin-Infusionen können je nach individueller Möglichkeit ein- bis zweimal pro Woche stattfinden.
Wenn es Ihnen möglich ist, können zwei Termine pro Woche sinnvoll sein, da dadurch eine intensivere Anfangsphase möglich wird. Viele Patienten können dies aus beruflichen, organisatorischen oder persönlichen Gründen jedoch nicht einrichten. In diesem Fall ist auch eine Behandlung mit einem Termin pro Woche möglich.
Bitte planen Sie für die Dauer der Behandlung regelmäßige Termine ein.
Infusionsbehandlungen finden aktuell Montag bis Mittwoch zwischen 9:30 Uhr und 16:00 Uhr statt.
Wie geht es nach der Behandlung weiter?
Wie lange der Effekt einer Ketaminbehandlung anhält, ist individuell unterschiedlich. Bei manchen Patienten bleibt die Besserung über längere Zeit stabil, bei anderen lässt die Wirkung nach einigen Wochen oder Monaten wieder nach.
Für die Weiterbehandlung nach einer ersten Infusionsserie gibt es keine für alle Patienten einheitliche Standardempfehlung. Deshalb wird das weitere Vorgehen individuell besprochen und an Ihren persönlichen Verlauf angepasst.
Mögliche Optionen sind beispielsweise:
Regelmäßige Auffrisch- oder Erhaltungsinfusionen
Wenn Sie gut auf die Behandlung angesprochen haben, können in bestimmten Abständen weitere Infusionen sinnvoll sein, um den erreichten Effekt möglichst zu stabilisieren. Die Abstände können je nach Verlauf unterschiedlich sein, beispielsweise monatlich oder in größeren Abständen.
Symptombasierte Auffrischung
Manche Patienten möchten zunächst abwarten, wie stabil die Besserung anhält. Wenn sich depressive Symptome, Grübeln, innere Anspannung, Erschöpfung oder andere Beschwerden wieder verstärken, kann eine einzelne Auffrischinfusion oder eine kurze Booster-Serie von 1–3 Infusionen besprochen werden.
Individuelle Verlaufsplanung
Welche Form der Weiterbehandlung sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von der Stärke und Stabilität der erreichten Besserung, Ihrer aktuellen Belastung im Alltag, Ihrer Verträglichkeit der Behandlung und Ihrem individuellen Ansprechen auf Ketamin.
Ziel ist nicht eine schematische Behandlung nach festem Plan, sondern eine möglichst sinnvolle, sichere und individuelle Weiterführung der Therapie.
Wie erleben Patienten die Ketamin-Infusion?
Wie eine Ketamin-Infusion erlebt wird, ist individuell unterschiedlich. Viele Patienten beschreiben die Behandlung als ungewohnt, aber gut auszuhalten, oft sogar als angenehm. Während der Infusion können vorübergehend veränderte Wahrnehmungen, ein Gefühl von innerer Distanz, Entspannung oder ein verändertes Zeit- und Körpererleben auftreten.
Diese Erfahrungen gehören zur akuten Wirkung von Ketamin. Sie bilden sich nach Beendigung der Infusion innerhalb kurzer Zeit wieder zurück. Es tritt keine Narkose ein; Sie bleiben während der Behandlung wach und ansprechbar.
Entspannung, Distanz und Loslassen
Viele Patienten berichten während der Infusion von körperlicher Entspannung, innerer Ruhe oder einem Gefühl von Abstand zu belastenden Gedanken und Gefühlen. Manche erleben eine leichte Losgelöstheit vom Körper oder ein verändertes Körpergefühl.
Gerade bei den ersten Infusionen kann dieses Erleben ungewohnt sein. Manche Patienten empfinden es zunächst als Herausforderung sich auf die Wirkung einzulassen. Im Verlauf der Behandlung wird die Erfahrung häufig vertrauter und kann dann als entlastend und beruhigend erlebt werden.
Veränderte Wahrnehmung
Während der Infusion können Farben, Klänge, Musik, Zeit oder Raum anders wahrgenommen werden. Manche Patienten beschreiben den Körper als schwer, leicht, entfernt oder schwebend. Auch innere Bilder, Erinnerungen oder traumähnliche Eindrücke können auftreten.
Diese Wahrnehmungsveränderungen sind Teil der kurzzeitigen Medikamentenwirkung und bilden sich nach Ende der Infusion rasch zurück. Sie sind nicht Ausdruck einer bleibenden Veränderung.
Musik und Atmosphäre
Viele Patienten empfinden es als angenehm, ab der zweiten Infusion eigene Musik mitzubringen. Musik kann helfen, sich besser zu entspannen, die äußere Umgebung weniger stark wahrzunehmen und sich innerlich auf die Behandlung einzulassen.
Die Behandlung findet in einer ruhigen Atmosphäre und unter Begleitung statt. Ziel ist es, die Infusion möglichst sicher, gut vorbereitet und für Sie so angenehm wie möglich zu gestalten.
Emotionales Erleben
Auch das emotionale Erleben kann sich während oder nach der Infusion verändern. Manche Patienten berichten von Entlastung, innerer Weite, mehr Abstand zu belastenden Gedanken oder einer Unterbrechung von Grübeln und Gedankenkreisen.
Andere erleben einen besseren Zugang zu Gefühlen, Erinnerungen oder inneren Themen. Auch Traurigkeit, Angst, Unsicherheit oder vorübergehend belastende Gefühle können während der akuten Wirkung auftreten.
Kein bestimmtes Erlebnis ist erforderlich
Es ist nicht notwendig, während der Infusion besonders intensive Bilder, Gefühle oder Einsichten zu erleben. Manche Infusionen werden eher ruhig, entspannend oder unspektakulär erlebt, andere intensiver oder emotionaler.
Eine starke subjektive Erfahrung ist keine Voraussetzung dafür, dass die Behandlung hilfreich sein kann. Entscheidend ist der Verlauf über die gesamte Behandlungsserie und die Veränderung der Beschwerden im Alltag.
Nach der Infusion
Nach der Infusion klingt die akute Wirkung von Ketamin rasch ab. Sie bleiben anschließend noch zur Nachbeobachtung in der Praxis.
Am Behandlungstag können Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit dennoch noch beeinträchtigt sein. Deshalb dürfen Sie nach der Infusion nicht selbst Auto fahren, nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen und keine Maschinen bedienen. Eine Begleitperson wird empfohlen.
Manche Patienten bemerken am Tag der Infusion oder in den folgenden Tagen Veränderungen wie mehr innere Ruhe, weniger Grübeln, mehr emotionale Distanz zu belastenden Gedanken oder eine etwas größere Handlungsfähigkeit im Alltag. Bei anderen entwickelt sich eine Wirkung erst im Verlauf mehrerer Infusionen.
Wie sind die Erfolgsaussichten der Ketamin-Therapie?
Die Erfolgsaussichten einer Ketaminbehandlung sind individuell unterschiedlich. Am besten untersucht ist die Wirkung bei depressiven Erkrankungen, insbesondere bei schweren, chronischen oder therapieresistenten Depressionen.
Viele Studien zeigen, dass ein Teil der Patienten bereits innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen eine Besserung depressiver Symptome erleben kann. Dies unterscheidet Ketamin von vielen klassischen Antidepressiva, deren Wirkung häufig erst nach mehreren Wochen beurteilt werden kann.
In Studien und klinischen Untersuchungen spricht ein relevanter Anteil der Patienten mit therapieresistenter Depression auf eine Ketaminbehandlung an. Die berichteten Ansprechraten unterscheiden sich jedoch je nach Studie, Patientengruppe und Behandlungsprotokoll. Häufig zeigt sich bei etwa der Hälfte oder mehr der behandelten Patienten eine deutliche Besserung der depressiven Symptomatik.
Wichtig ist: Ein Ansprechen bedeutet nicht automatisch vollständige Beschwerdefreiheit. In Studien wird darunter meist eine deutliche Reduktion der Symptome verstanden. Manche Patienten erleben eine sehr klare und rasche Verbesserung, bei anderen ist die Wirkung schwächer, vorübergehend oder bleibt aus.
Wie lange eine Besserung anhält, ist ebenfalls unterschiedlich. Bei manchen Patienten hält der Effekt Wochen oder Monate an, bei anderen lässt die Wirkung früher wieder nach. Deshalb wird nach einer ersten Behandlungsserie individuell besprochen, ob Auffrisch- oder Erhaltungsinfusionen sinnvoll sein können.
Ketamin ist keine „Wunderbehandlung“. Nicht jeder Patient spricht auf die Behandlung an, und überzogene Erwartungen sollten vermieden werden. Gleichzeitig kann Ketamin gerade bei schweren oder bisher unzureichend gebesserten Depressionen eine sinnvolle zusätzliche Behandlungsoption darstellen.
Ketamin und Psychotherapie
Eine begleitende Psychotherapie kann hilfreich sein, ist aber keine Voraussetzung für eine Ketaminbehandlung. Ketamin kann auch ohne begleitende Psychotherapie wirksam sein.
In meiner Praxis biete ich keine ketamin-assistierte Psychotherapie im engeren Sinne an, sondern eine fachärztlich begleitete Ketamin-Infusionsbehandlung.
Die ketamin-assistierte Psychotherapie ist ein eigenes Forschungsfeld. Nach aktueller Studienlage ist jedoch nicht ausreichend belegt, dass eine zusätzliche strukturierte Psychotherapie während oder unmittelbar im Zusammenhang mit der Ketaminbehandlung grundsätzlich bessere Ergebnisse erzielt als eine Ketamin-Infusionsbehandlung allein.
Psychotherapie kann unabhängig davon sinnvoll sein, um Veränderungen nach der Behandlung weiter zu verstehen, einzuordnen und therapeutisch zu bearbeiten.
Welche Substanz wird bei der Infusionsbehandlung angewendet?
Bieten Sie auch eine Behandlung mit Nasenspray an?
In meiner Praxis biete ich keine Behandlung mit Esketamin-Nasenspray an. Stattdessen erfolgt die Behandlung als intravenöse Ketamin-Infusion.
Die intravenöse Infusion bietet aus meiner Sicht mehrere Vorteile:
Gute Steuerbarkeit
Über die Infusion kann Ketamin kontrolliert und gleichmäßig verabreicht werden. Die weitere Gabe kann jederzeit angepasst, verlangsamt oder beendet werden, falls die Wirkung als zu intensiv erlebt wird oder Nebenwirkungen auftreten.
Individuelle Dosierung
Die Dosierung kann an Körpergewicht, Verträglichkeit und individuelles Ansprechen angepasst werden. Im Verlauf der Behandlung kann die Dosis bei Bedarf kleinschrittig erhöht oder reduziert werden.
Hohe Bioverfügbarkeit
Bei einer intravenösen Gabe gelangt das Medikament direkt in den Blutkreislauf. Im Vergleich dazu ist die Aufnahme über ein Nasenspray geringer und kann individuell stärker schwanken. Dadurch ist die Infusion besonders gut geeignet, wenn eine präzise und individuell steuerbare Behandlung gewünscht ist.
Medizinisch begleitete Durchführung
Die Behandlung findet in einem medizinisch überwachten Rahmen statt. Während und nach der Infusion werden Wirkung und Verträglichkeit beobachtet, sodass die Behandlung individuell angepasst werden kann.
Wann ist besondere Vorsicht erforderlich?
Ketamin ist für viele Patienten gut verträglich. Dennoch gibt es medizinische und psychiatrische Situationen, in denen eine Ketamin-Infusionsbehandlung nicht oder nur nach sorgfältiger Prüfung möglich ist.
Ob eine Behandlung in Ihrem individuellen Fall geeignet ist, wird im ausführlichen Vorgespräch geklärt. Dabei werden unter anderem Ihre körperliche Gesundheit, aktuelle Medikamente, psychiatrische Vorgeschichte, bisherige Behandlungsversuche und mögliche Risiken berücksichtigt.
Eine Ketaminbehandlung ist in der Regel nicht oder nur nach besonderer Abklärung möglich bei:
- schweren oder instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel unkontrolliertem Bluthochdruck, kürzlich erlittenem Herzinfarkt oder schweren Herzrhythmusstörungen
- aktuellen oder kürzlich aufgetretenen psychotischen Symptomen oder manischen Episoden
- schweren Leber- oder Nierenerkrankungen
- Glaukom oder erhöhtem Augeninnendruck
- erhöhtem Hirndruck oder bestimmten neurologischen Erkrankungen
- akuter Substanzkonsumstörung oder aktivem Missbrauch von Alkohol, Drogen oder bestimmten Medikamenten
- Schwangerschaft, Stillzeit oder aktuell geplanter Schwangerschaft
- bekannter Allergie oder Unverträglichkeit gegenüber Ketamin
- unbehandelter oder schwerer Schilddrüsenerkrankung
Diese Liste dient nur der ersten Orientierung. In vielen Fällen hängt die Entscheidung nicht von einer einzelnen Diagnose allein ab, sondern von der individuellen Gesamtsituation, der Stabilität körperlicher und psychischer Erkrankungen sowie dem Verhältnis von möglichem Nutzen und möglichen Risiken.
Kosten
Die Behandlung erfolgt als "off-label" Behandlung. Das Bedeutet, dass Ketamin zwar grundsätzlich als Medikament zugelassen ist, allerdings nur als Narkosemittel und nicht speziell zur Behandlung psychischer Störungen. Die Kosten werden daher lnicht von der Krankenkasse übernommen. Die Behandlung erfolgt daher auf Kosten des Patienten als Selbstzahlerleistung.
Die Kosten für eine Behandlung betragen pro Infusion 200 Euro.