Wobei kann Psychotherapie helfen?

Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie behandle ich ein breites Spektrum psychischer Erkrankungen und psychischer Störungen.

Es muss bei Ihnen noch keine Diagnose gestellt worden sein, um psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Häufig stehen zunächst Veränderungen des eigenen Erlebens, psychische Belastungen oder Beschwerden im Vordergrund, die sich nicht immer unmittelbar einordnen lassen – beispielsweise anhaltende Erschöpfung, Ängste, Probleme in Beziehungen, innere Unruhe oder das Gefühl, zunehmend an persönliche Grenzen zu geraten.

Ob diese Beschwerden die Kriterien einer psychischen Erkrankung oder psychischen Störung erfüllen und damit eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll und notwendig machen, wird im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde gemeinsam geklärt.

Dabei steht nicht nur die Diagnose im Mittelpunkt, sondern der individuelle Mensch mit seiner persönlichen Lebenssituation, Lebensgeschichte und den spezifischen Faktoren, die zu den aktuellen Beschwerden beitragen.

Hierzu gehören beispielsweise:

Stimmung und Emotionalität

  • depressive Symptome und Depressionen
  • anhaltende Erschöpfung, Überforderung und Stress
  • Verlust an Freude und Interesse
  • Gefühl innerer Leere
  • Schwierigkeiten im Zugang zu eigenen Gefühlen

Belastungen und Krisen

  • Psychische Probleme im Zusammenhang mit akuten Belastungen (Tod, Verlust, Kündigung, Trennung, Scheidung, Krankheit und sonstige belastende Lebensereignisse)
  • Burnout und psychische Belastungsreaktionen
  • private Krisen oder berufliche Krisen

Ängste und innere Anspannung

  • Ängste, Panik und Phobien
  • anhaltendes Grübeln und innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • belastende oder wiederkehrende Alpträume
  • Soziale Phobie

Selbstbild und Beziehungen

  • Selbstwertprobleme
  • Beziehungslosigkeit, Einsamkeit
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Nähe und Distanz
  • Konflikte/Krisen in Partnerschaft, Familie oder anderen zwischenmenschlichen Bereichen
  • wiederkehrende Beziehungsmuster

Körper und Psyche

  • psychosomatische Beschwerden
  • anhaltende körperliche Beschwerden ohne ausreichende körperliche Erklärung
  • hypochondrische Ängste
  • chronische Schmerzen oder Schmerzstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden, Reizdarmbeschwerden oder andere stressassoziierte körperliche Symptome, funktionelle Störungen
  • psychische Belastungen im Zusammenhang mit chronischen körperlichen Erkrankungen

Zwänge, Impulse und Verhalten

  • Zwänge und Zwangsgedanken
  • Impulsivität und Schwierigkeiten der Emotionsregulation
  • selbstverletzendes oder selbstschädigendes Verhalten

Sucht und Abhängigkeit

  • Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit
  • Verhaltenssüchte wie Glücksspiel- oder problematischer Medienkonsum
  •  Internetsucht 
  •  problematische Nutzung sozialer Medien 
  •  problematisches sexuelles Verhalten oder Pornografiekonsum

Persönlichkeit, Persönlichkeitsstörungen und Persönlichkeitsanteile

  • emotional instabile Persönlichkeitsstörung oder Persönlichkeitsanteile, insbesondere vom Typ Borderline
  • narzisstische Persönlichkeitsstörung oder Persönlichkeitsanteile
  • schizoide oder schizotype Persönlichkeitsstörung oder Persönlichkeitsanteile
  • ängstlich-vermeidende bzw. selbstunsichere Persönlichkeitsstörung oder Persönlichkeitsanteile
  • dependente bzw. abhängige Persönlichkeitsstörung oder Persönlichkeitsanteile
  • zwanghafte bzw. anankastische Persönlichkeitsstörung oder Persönlichkeitsanteile

Sexualität

  • psychische Belastungen im Zusammenhang mit Sexualität, sexueller Entwicklung, Orientierung oder Identität
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • verminderte sexuelle Lust 
  • Schwierigkeiten im Zusammenhang mit sexueller Erregung oder sexueller Zufriedenheit, Erektionsstörungen, Orgasmusstörungen
  • belastende sexuelle Konflikte oder Unsicherheiten
  • Sonstige Probleme im Zusammenhang mit Intimität, Nähe und Sexualität

Aufmerksamkeits- und Konzentrationsbesonderheiten (ADS / ADHS)

  • psychische Belastungen im Zusammenhang mit Aufmerksamkeitsdefizitstörungen (ADS/ADHS)
  • Konzentrationsschwierigkeiten und erhöhte Ablenkbarkeit
  • Schwierigkeiten mit Struktur, Organisation und Alltagsbewältigung
  • Probleme mit Zeitmanagement und Priorisierung
  • Aufschieben von Aufgaben (Prokrastination)
  • innere Unruhe, Anspannung oder Getriebensein
  • emotionale Dysregulation und Impulsivität

Hochbegabung, hohe Intelligenz und besondere Denkweisen

  • psychische Belastungen im Zusammenhang mit Hochbegabung oder hoher Intelligenz
  • ausgeprägter Perfektionismus oder sehr hohe Selbstansprüche
  • das Gefühl, sich häufig anders oder nicht verstanden zu fühlen
  • Unterforderung oder das Erleben fehlender Passung im privaten oder beruflichen Umfeld
  • soziale Isolation oder Schwierigkeiten, passende Beziehungen zu finden

Neurodiversität und Autismus-Spektrum

  • psychische Belastungen im Zusammenhang mit Neurodiversität oder Neurodivergenz
  • Fragestellungen im Zusammenhang mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS; früher "Asperger-Syndrom")
  • Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen
  • Kommunikationsschwierigkeiten oder Missverständnisse im zwischenmenschlichen Bereich
  • Erschöpfung durch soziale Anforderungen
  • das Gefühl, sich häufig anders oder nicht zugehörig zu fühlen
  • erhöhte Reizempfindlichkeit oder Reizüberflutung
  • Belastungen im Zusammenhang mit Masking oder sozialer Anpassung

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (auch „tiefenpsychologische Psychotherapie“ oder „psychodynamische Psychotherapie“) basiert auf den Grundannahmen der Psychoanalyse und ihren Weiterentwicklungen. Sie gehört in Deutschland zu den wissenschaftlich anerkannten Richtlinienverfahren der Psychotherapie.

Die Grundannahme der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie besteht darin, dass psychische Beschwerden häufig nicht isoliert oder zufällig entstehen, sondern im Zusammenhang mit unbewussten inneren Konflikten, Beziehungserfahrungen, der eigenen Lebensgeschichte und über längere Zeit entstandenen inneren Mustern verstanden werden können.

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die gemeinsame Suche nach Zusammenhängen und den Ursachen psychischer Beschwerden. Ziel ist dabei der Gewinn von Erkenntnis und Einsicht in innere Konflikte, unbewusste Dynamiken und wiederkehrende Muster, die bisher nicht oder noch nicht ausreichend verstanden werden konnten.

Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge dient dabei nicht nur der Erkenntnis selbst. Ziel ist vielmehr, die eigene innere Wirklichkeit klarer wahrnehmen zu können, die eigene Handlungsfähigkeit wiederzuentdecken und einen selbstbestimmteren Umgang mit sich selbst und den eigenen Schwierigkeiten zu ermöglichen.

Die Bezeichnung „Tiefe“ meint hierbei nicht etwas Geheimnisvolles oder Mystisches, sondern verweist auf verschiedene Ebenen menschlichen Erlebens:

  • die Tiefe des Unbewussten
  • die Tiefe der eigenen Lebensgeschichte
  • die Tiefe über längere Zeit entstandener innerer Muster und Persönlichkeitsstrukturen

Zwei zentrale Grundlagen der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

1. Das Unbewusste

Ein zentraler Gedanke der psychoanalytischen und psychodynamischen Tradition lautet:

„Das Ich ist nicht Herr im eigenen Hause.“ (Sigmund Freud)

Damit ist gemeint, dass wir uns selbst nie vollständig bewusst sind. Unabhängig davon, wie intelligent, reflektiert oder selbstkritisch wir sind, bleiben Teile unseres inneren Erlebens unserem unmittelbaren Bewusstsein entzogen.

Die menschliche Psyche arbeitet gewissermaßen ökonomisch. Es wäre weder möglich noch sinnvoll, jederzeit alle Gefühle, Erinnerungen, Wünsche, Ängste und inneren Konflikte gleichzeitig bewusst wahrzunehmen. Ein Teil unseres Erlebens wird automatisch verarbeitet, zurückgestellt oder dem unmittelbaren Bewusstsein entzogen.

Insbesondere belastende Gefühle oder innere Konflikte können zeitweise verdrängt oder durch unterschiedliche psychische Mechanismen abgewehrt werden. Dazu gehören beispielsweise Verdrängung, Vermeidung, Abspaltung, Verleugnung oder das Herunterspielen belastender Inhalte.

Damit verschwinden diese Erfahrungen jedoch nicht einfach. Sie können weiterhin Einfluss auf das Erleben, Denken, Fühlen und Verhalten nehmen – manchmal ohne dass die Zusammenhänge unmittelbar erkennbar sind.

Viele alltägliche Erfahrungen lassen sich in diesem Zusammenhang wiedererkennen:

  • Bestimmte Worte oder Situationen verletzen uns unverhältnismäßig stark.
  • Wir reagieren unerwartet heftig mit Ärger, Rückzug oder Kränkung.
  • Wir geraten wiederholt in ähnliche Konflikte oder Beziehungssituationen.
  • Wir spüren starke Gefühle, ohne ihren Ursprung unmittelbar zu verstehen.
  • Körperliche Beschwerden oder psychische Symptome treten auf, obwohl uns kein klarer Auslöser bewusst erscheint.

Häufig liegt die Ursache nicht allein in der aktuellen Situation selbst. Manchmal werden durch aktuelle Erfahrungen ältere emotionale Themen oder „alte Wunden“ berührt, die bisher wenig bewusst waren.

Psychische Symptome werden in der psychodynamischen Sichtweise deshalb nicht ausschließlich als Störung verstanden, sondern auch als Ausdruck innerer Konflikte oder ungelöster emotionaler Prozesse.

2. Die Bedeutung der Lebensgeschichte

Die Berücksichtigung der Lebensgeschichte besitzt in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie einen besonderen Stellenwert.

Viele psychische Schwierigkeiten entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über längere Zeit. Häufig stehen sie im Zusammenhang mit frühen Beziehungserfahrungen, wiederkehrenden Mustern oder Erfahrungen, die geprägt haben, wie wir uns selbst erleben und wie wir Beziehungen gestalten.

Frühe Erfahrungen beeinflussen häufig grundlegende innere Überzeugungen und Erwartungen, beispielsweise:

  • Wie sicher oder unsicher Beziehungen erlebt werden
  • Wie mit Nähe, Distanz oder Konflikten umgegangen wird
  • Welche Erwartungen an sich selbst bestehen
  • Wie Gefühle wahrgenommen und reguliert werden
  • Welche Rolle Leistung, Kontrolle oder Anpassung im eigenen Leben einnehmen

Dies bedeutet nicht, dass die Vergangenheit die Gegenwart vollständig bestimmt oder dass automatisch „die Eltern schuld sind“. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, wie bestimmte Erfahrungen zur Entwicklung innerer Muster beigetragen haben und welchen Einfluss diese heute möglicherweise noch haben.

Was bedeutet das konkret für die Behandlung?

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie geht es nicht nur um die Frage, welche Symptome bestehen, sondern auch darum, warum bestimmte Beschwerden gerade jetzt auftreten und welche Bedeutung sie im Zusammenhang mit der persönlichen Lebensgeschichte haben könnten.

Im Verlauf der Therapie werden wiederkehrende Beziehungsmuster, innere Konflikte und emotionale Zusammenhänge gemeinsam betrachtet und schrittweise besser verstanden.

Da diese Muster häufig über viele Jahre entstanden sind und oft tief in der Persönlichkeitsstruktur verankert sind, benötigt dieser Prozess Zeit. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien sind deshalb eher längerfristige Behandlungen.

In der Regel handelt es sich um Behandlungen mit etwa 60–100 Sitzungen. Die Behandlungsdauer liegt  zwischen etwa 1,5 und 3 Jahren.

Ziel ist dabei nicht nur eine kurzfristige Verminderung von Symptomen, sondern ein vertieftes Verständnis der eigenen inneren Zusammenhänge, ein nachhaltiger Umgang mit psychischen Beschwerden sowie eine Stärkung der eigenen Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit.

Einzeltherapie

Therapiesitzungen finden ein- bis zweimal in der Woche statt. Hierbei sitzen sich Patient und Therapeut gegenüber. Die Dauer einer Therapie ist abhängig von individuellen Faktoren, dauert in der Regel aber meist 24 (Kurzzeittherapie) bis 60 (Langzeittherapie) Sitzungen. Eine einzelne Sitzung dauert hierbei 50 Minuten. 

Gruppentherapie

Gruppentherapie ist ein hochwirksames Verfahren und gilt gegenüber der Einzeltherapie bezüglich Wirksamkeit als gleichwertig.
Therapiesitzungen finden als "Doppelstunde" (100min) wöchentlich statt. Die Gruppengröße beträgt 6-9 Teilnehmer.

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